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Herman Gillis über den DJ-Filter Restyler

April 27, 2009 Home, Interviews Kein Kommentar

Bei Sherman Rodec stellte der Entwickler Herman Gillis einen neuen DJ-Filter, den Restyler, vor. Das Interview wurde dabei mehr und mehr zu einem Gespräch über die Soundphilosophie des Entwicklers, der mit seinen Filterbänken zu einer „Institution“ der elektronischen Musik wurde.

Sherman InterviewSherman Rodec RestylerKönnten Sie zunächst kurz in die Funktionalitäten des Restylers einführen.
Der Restyler ist ein spezieller Stereo-Filter für die DJ-Anwendung und Stereo Musik Produktion. Es ist ein analoges Filtersystem mit Stereo – Inputs – und Outputs, Cinch/Jack-Verbindungen, eben ausgelegt für die Anwendung in Clubs und Diskotheken. Betrachtet man das Innenleben, ist es ein Multi-Mode Filter mit dynamic Processing, dabei verwendet das Gerät die eingespeiste Musik als Basis für das dynamic Processing.

Die Filter werden also als Effekt eingesetzt…
Genau – um die Musik vom Klang her zu verbessern. Man kann mit Detection-Filter gezielt Frequenzen und Bewegungen abgreifen und sie auf andere Frequenzen anwenden. Dadurch kann man mit so wenig wie möglich Reglern einen maximalem Effekt erzielen. Das Gerät sieht zunächst sehr einfach aus, aber ein tieferes Befassen offenbart die Anwendungsstärke und die Güte des Filters. Frequenz-Modulation und Ressonanz-Filter sind zum Beispiel mit anderen Filter kombinierbar.

Das Ihr hier zwei nebeneinander hin drapiert habt, ist nur der Ausstellung wegen?
Die beiden Units können so in ein 19“ montiert werden. Hinzu komt, dass in Kombination mit diesem Rodec-Pult schnell zwischen zwei Effekten zweier Geräte geswitched werden kann, z.B. in der Anwendung als DJ, wenn die nächste Platte, Sound-Quelle mit einem anderen Effekt versehen werden soll.

Okay. Interessant ist natürlich, wenn man schon einmal einen Entwickler vor sich hat, zu erfahren, wie die Entwicklung eines solchen Geräts vonstatten geht.
Die Entwicklung ist ein Experimentieren mit Schaltkreisen. Der Protoyp sah zunächst aus wie eine Packung gekochte Spaghetti. Das mit dem Design und der Verpackung ist alles sehr teuer, darum vermeidet man es, bis es dann in Richtung Serie geht. Denn die Fertigung ist eine komplett andere Geschichte. Dabei unterscheiden sich die Geräte hier auch diesbezüglich. Die Sherman-Filterbank hier mache ich selber, d.h. Fertigung und so weiter, aber den Restyler, den machen wir zusammen mit Rodec, und so übernehmen die die Produktion. Hintergrund ist, dass Rodec bei mir angefragt hatte einen DJ-Filter zu bauen. Rodec ist ein belgisches Unternehmen, das seit 15 Jahren besteht, mit dem Sitz in Antwerpen, warum es auch für mich einfach ist, über die geringe Distanz hinweg mit Rodec zu kooperieren. Das heißt auch, die Entwicklung und Feinabstimmung bei Rodec vor Ort vorzunehmen.

Und ihre Eigenkomposition, die Sherman Filterbank…
Die ist schon 13 Jahre auf dem Markt, und wir haben mittlerweile 6.500 Stück davon verkauft, weltweit, die meisten in Deutschland, Japan und den Vereinigten Staaten. Das Gerät selber ist eine Art Synthesizer, jedoch sehr vielseitig. Man kann damit viele Sachen machen, ebenso wie mit dem DJ-Filter, aber es ist ein Mono-Input, mit dem man Stereo arbeiten kann. Beide Gruppen lassen sich auf vielfache Weise kombinieren und modulieren.

Was für eine Technologie steckt da drin?
Es ist eine analoge Technologie, aber eine spezielle Art von analoger Technologie, die normalerweise nicht in Synthesizer verwendet wird, weil sie ein bisschen arg “noisy“ ist. Aber ich mochte eben den Sound davon und es scheint, ein großer Teil der Welt ebenso.

Der Restyler ist allein zur Soundbearbeitung?
Die Filterbank ist zur Sounderzeugung und der Restyler zur Soundbearbeitung eines Stereo-Signals, oder für ein Keyboard-In, Stereo-Out, ebenso kann man die Dynamik eines Sounds aufwerten.

Gibt es eine Möglichkeit für Storage beim Restyler?
Dafür ist der Aufbau zu simpel. In 5 Sekunden hat man jedoch jedes Set geregelt. Natürlich muss man in etwa wissen, was da vor sich geht. Das ist auch der Grund, warum hier LEDs angebracht sind. Es gibt darunter einige Orientierungs-LEDs, die einem anzeigen, was gerade stattfindet. Gerade, weil es etwas komplizierter ist, als es zunächst aussieht. Zum Beispiel bei 24 dB kann der Slave-Filter den Master-Filter übernehmen und dann sagt das LED, pass auf, gleich übernimmt der Slave-Filter.

Dieses Design, stammt das von Sherman, also von Ihnen, oder von Rodec?
Die Aufmachung ist ein bisschen Rodec, aber die Regler und das Konzept stammt von mir. Da Rodec im DJ-Bereich produzieren, haben sie auch das dafür notwendige Know-how, zum Beispiel, dass es für den mobilen Einsatz sehr robust ist. Darum war auch ein Lernprozess für die Kooperation unabdingbar. Man lernt immer sehr viel, wenn man mit anderen Leuten zusammen arbeitet.

Interessieren würde uns auch, wie Sie vom Arbeitsansatz und -prozess her verfahren, bei der Entwicklung ihrer Geräte.
Ich komme aus dem Musikerbereich, spielte meine eigenen Geräte und baute dann meine eigenen Preamps, weil ich mir die guten Geräte im Laden nicht leisten konnte. Mein Hobby war zudem schon immer der elektronische Bereich. Mit 8 Jahren hab ich bereits angefangen, elektronische Apparaturen zu konzipieren. Und das hat eben nie aufgehört.

Womit es eine Passion ist…
Ja, es ist eine Passion. Dazu kam, dass mein 10 Jahre älterer Bruder Röhren-Vorverstärker baute, allerdings nur für sich, nicht zum Verkauf. Er brachte mir einige Dinge bei. Als dann in den siebziger Jahren der erste Chip entwickelt wurde, sagten alle, warte nur, wie Computer die Welt verändern werden, wie es nun ja auch geschehen ist.

Aber ihr Weg ist ja weiterhin die analoge Technologie.
Ja, wenn auch nicht nur. Da ist zum Beispiel das MIDI Processing in der Sherman Filterbank, wofür ich die Soft- und Hardware konzipiert habe. Das kann ich noch gerade so, aber ein DSP-Projekt wäre zu viel. Ich bin eher in der Hardware zuhause. Experimentieren, das macht mir Spaß. Selten ist es reine Kalkulation, aber meistens einfach ausprobieren und zuhören. Ich glaube auch, dass kein digitales Gerät es wirklich schafft, in Sachen Klang, Dynamik und insbesondere Auflösung in die Nähe einer analogen Filterbank wie diese zu kommen.

Was auch an der Interaktion aller beteiligten Elemente liegt.
Ja, Interaktion und physikalische Vorgänge sind da beteiligt, Vibration der Komponenten und das zudem in elektromagnetischen Feldern, die sich gegenseitig beeinflussen, all das ist in der digitalen Welt aussen vor gelassen. Was bleibt sind Zahlen und was nicht implementiert wird, ist auch einfach nicht vorhanden. Ich glaube erst mit Quantum-Prozessoren kann in die Nähe eines analogen Systems gekommen werden. Hier hat es ähnliche Bedingungen, weil eine Elektron immer mehrere Möglichkeiten hat, sich zu bewegen und das sich gegenseitige Beeinflussen da ist. In der analogen Welt gibt es Feedbacks und ein endloses Dynamik-Spektrum, das es zu beherrschen gilt, es jedoch auch interessant macht. In der digitalen Welt geht alles um die Umsetzung dorthin und zurück, um die Auflösung des Materials und die ist immer limitiert. Die Frage ist doch: warum veröffentlichen Bands wie U2 noch Alben auf Vinyl? Weil der Frequenzbereich weit über 20 kHz geht. Vinyl-Cutting wurde über die Jahre verbessert. Bei CD hört es bei 20 kHz zumindest bei den meisten CD-Spielern einfach auf. Alles darüber ist weg – damit aber auch die Interferenzen zwischen den unterschiedlichen Obertönen. Gerade die Obertöne gehen aber über das, was wir hören hinaus. Es gibt auch Signale im Megahertz-Bereich oder im Radio-Bereich – wenn man ein Radio neben eine Filterbank stellt, kann man das Radio beeinflussen. Die Wellen beeinflussen den Klang und vice versa. Und die Interaktion aller Komponenten machen das aus, was ich als lebendigen Sound höre und fühle. Digitaler Sound ist oft kalt und tot.

Okay. Vielen Dank für das Interview und diesen interessanten Einblick in ihre Soundphilosophie.
Bitte. Und ebenso danke für das Interview

Zu den Bildern hier lang…

Bei weiterem Interesse: Sherman@Myspace & Sherman@Home

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