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Interview mit GABSTon über das monocarspeaker-Debüt “pilot”

August 12, 2009 Home, Interviews 1 Kommentar

Am 10. Juli veröffentlichte monocarspeaker auf Maria-Records die Platte „pilot“. Dabei wurde die gesamte Produktion in Eigenregie und komplett analog gefahren – Wir wurden hellhörig und trafen uns mit dem Schlagzeuger der Band und zugleich dem Mann an den Fadern und Reglern der Produktion – GABSTon.

monocarspeakers pilot

monocarspeaker pilot
Das Plattencover von “pilot”

Die Band monocarspeaker besteht aus Frank Simper – Gitarre/Lead-Gesang, Holger Fleck – Gitarre/Back-Gesang, Felix Wolfer – Bass und Gabriel Schütz aka GABSTon am Schlagzeug. Sie kommen alle aus Nürtingen bei Stuttgart, spielen beeindruckend unkonventionellen Indierock auf und verstehen ihr Musikmachen als Herzens-angelegenheit in Sachen Authentizität. Beeindruckend ist unter anderem der Gesang von Simper, der mit seinen 23 Jahren bereits eine Reife vermittelt, die ihn in eine Linie mit den Indierock-Größen stellt – Als Vorbilder werden Bands wie King Crimson, Queens Of The Stone Age oder Porcupine Tree gesehen. Wem klassischer Rock zu langweilig ist und Stonerrock zu eintönig findet, dem bietet sich mit dem Album „pilot“, dem Debüt von monocarspeaker, ab nun eine echte Alternative. Wer sucht, wird ihn hier finden: progressiver Indierock mit Innovationsfaktor.

Frank Simper, Gabriel Schütz,

Felix Wolfer, Frank Simper, Gabriel Schütz, Holger Fleck

Dazu der zweite Song auf der monocarspeaker-Platte: “caught” zum Reinhören:

[audio:http://www.recordjob.de/wp-content/uploads/2009/08/2_caught.mp3]

Produzenten-Interview GABSTon

Gabriel Schütz ala GABSTon

Gabriel Schütz aka GABSTon

Wir trafen uns mit GABSTon in seinem nürtinger Heimstudio, um uns über die einzelnen Produktions-Schritte der Platte “pilot“ zu unterhalten. Geplant war, über das Songwriting, die Aufnahme und die Produktion der monocarspeaker-Platte zu sprechen – Allerdings geriet das Interview interessanterweise mehr und mehr zu einem Gespräch über die Soundphilosophie des Musikers und vor allem des Produzenten GABSTon und seine Einstellung zu dem allgegenwärtigen Thema: “analog oder digital“. Angemerkt sei nur vorab schon, dass GABSTon neben dem rein analogen Projekt monocarspeaker mit VegA auch ein auf digitaler Ebene produziertes Projekt fährt. GABSTon selbst erwies sich im laufenden Gespräch mehr und mehr als flexibler Grenzgänger zwischen digitalen und analogen Gefilden, der im relevanten Kontext nur einem Gesetz die Treue hält – Ob Röhre oder Röhren-Emulation, oberste Prämisse ist: Es muss sich einfach nur gut anhören und vor alllem genre-gerecht dem Ohr präsentieren, alles andere ist zweitrangig, doch lest selbst…

Songwriting Monocarspeaker

Recordjob: Du bist ja in Sachen Aufnehmen und Produzieren schon lange aktiv dabei, wie ist es in der Hinsicht mit den anderen Musikern der Band? Sind deine Bandkollegen reine Musiker, ohne jeglichen Produktions-Background? Und wie handhabt ihr das im Hintergrund dieser Fragen mit dem Songwriting?

GABSTon: Zunächst, um es soweit kurz vorzubereiten – Die Band besteht aus Felix Wolfer, der E-Bass spielt, Holger Fleck, der E-Gitarre spielt und die zweite Stimme singt, und neben mir als Schlagzeuger aus Frank Simper – Lead-Sänger und ebenso E-Gitarrist. Meine Bandkollegen sind eigentlich reine Musiker und um es vielleicht unterstützend zu sagen, reine Gefühlsmusiker – Dadurch, dass ich als Schlagzeuger viele Musikrichtungen ausprobiert hab, gerade in der Stuttgarter Szene, bin ich vor allem deswegen wieder nach Nürtingen zurückgekehrt, weil ich gemerkt hab, dass mir Musik machen nur dann mit Leuten wirklich Spaß macht, wenn die Leute auch zu einem passen – Dementsprechend ist die Band selber auch wie eine Demokratie aufgebaut. Es gibt keinen in der Band, der allein das Sagen hat, alleine die Songs schreibt – Frank schreibt zwar alle Texte zunächst allein, die Songs selber entstehen jedoch durch Sessions im Proberaum, oft auch inspiriert durch einen Lauf, den der ein oder andere mitbringt. Dann werden die Stücke ausgearbeitet und es wird versucht, den Songs eine Struktur zu geben.

Recordjob: Gerade hierzu die Frage noch einmal zum Arbeitsprocedere: Ihr entwickelt die Idee also in der Jam-Session – Wo ist der erste Punkt wo ihr eine Aufnahme von einem Song macht?

GABSTon: Es ist so, dass ich es als Disziplin eingeführt hab, die Proben immer mit zu schneiden – Mit einem tragbarem Aufnahmegerät, das mit dem Betreten des Proberaums sofort eingesteckt und angeschmissen wird – Weil wir auch bevor wir  unsere fertigen Stücke spielen, oder auch dazwischen erst einmal jammen. Und diese Jams geben oftmals neuen Input für neue Songs, wo man dann sagt: Hey cool, die zwei Stellen habens in sich, daraus versuchen wir jetzt einen Song zu machen. Dann komponiert man eben auch noch einen harten oder einen soften Part dazu – je nachdem was halt fehlt. Dieses Procedere nimmt dann natürlich auch mehrere Proben in Anspruch – sodass immer neuere Aufnahmen auch im Jammen darüber entstehen, weil wir es uns danach auch immer anhören. Ich arbeite da insbesondere mit dem Frank, dem Sänger, viel zusammen. Wir hören uns das meistens gleich nach der Probe an und reden dann über Ideen – den Part länger zu machen, oder den zu verkürzen. Fällt dann einem im nachhinein ein Gitarren-Lick ein, trifft man sich, probiert es aus, nimmt es wieder auf, hört es an usw. – So entstehen eigentlich alle unserer Songs.

Recordjob: Wobei dann nämlich die Frage gewesen wäre, wie das mit dem Gesang beim Songwriting funktioniert, denn bei den Jam-Aufnahmen ist doch noch nichts drauf vom gesang… oder ?

GABSTon: Der Frank ist da inzwischen sehr gut im Improvisieren – wobei ich das inzwischen auch schon von mehreren anderen Sängern mitbekommen hab, nemlich, dass man sich aneignen kann, eine Art Lautsprache zu singen – also z.B. irgendwelche englische Wörter aneinandergereiht – bedeutet dann zwar nichts, dient aber auch allein der Melodie-Suche – sodass auch der Sänger beim Jammen, wenn alles gut läuft und er auch noch einen freien Kopf hat, einen ersten Input liefern kann. Da enstehen oft super Ideen – Vor allem auch sehr emotionale. Und normalerweise natürlich oldfashioned zuhause.

monocarspeaker on stage

monocarspeaker on stage

Analoge Produktion, oder Bandmaschine fordert/fördert Disziplin

Recordjob: Und wenn dann die erste Aufnahme kommt? Wie sieht dann da das Procedere aus? Gibt es dann, bzw. gab es dann, jetzt gerade bei monocarspeaker, zunächst ein Demo? Oder ist die nun erschienene CD quasi die erste Manifestation dieses jahrelangen Schmiedens und Schaffens?

GABSTon: Wir haben am Anfang recht früh und noch ohne Basser eine Mehrspur-Aufnahme, die wir live eingespielt haben, in den Rechner eingespielt – wobei dann noch ein Freund Bass darüber eingespielt hatte – und dann haben wir zwei Songs auch nochmal ganz normal digital produziert, also alle haben nacheinander eingespielt. Und genau da kommen wir jetzt in die Gefilde der analog-digitalen Grundsatzdiskussion, weil ich nämlich in der Zeit, ungefähr vor zwei Jahren, mir einfach mit der digitalen Variante immer schwer getan hab.

FOSTEX Bandmaschine

FOSTEX - 2 Spur Bandmaschine

Ich hab ja ganz früher mit der analogen Aufnahme angefangen und Bands aus der Umgebung aufgenommen – Rockbands, Hardcore-Bands – alle, die nicht viel Geld hatten, wo ich dann gesagt hab: Die möchte ich unterstützen – oder habs halt für wenig Geld aus Spaß und um der Erfahrung Willen gemacht. Und dann hab ich irgendwann begonnen, digital aufzunehmen, ungefähr 2003 und war eigentlich immer irgendwo immer etwas unzufrieden, weil ich den Sound nicht mehr hingekriegt hab, den ich mit den Bandmaschinen damals hinbekommen hab. Ich bin zwar disziplinierter geworden im Arbeiten, im Komprimieren mit dem EQ zu arbeiten, als damals mit den Analog-Aufnahmen, aber ich kam leider nie zu einem Ergebnis, wo ich gesagt hab: WOW, das ist einfach schön weich. Die ganzen Sachen, die ich produziert habe, die klangen für mich immer etwas künstlich. Und so kam ich auf die Idee wieder rein analog zu verfahren – zusätzlich zu dem Punkt, dass die digitale Aufnahme bei einer Produktion generell kein Ende findet – hier werden nicht zwei oder drei Takes genommen, sondern da werden 20 oder 30 Takes aufgenommen – Es ist normal geworden, denn man kann ja so oft aufnehmen, wie man will. Vor allem muss man nicht zurückspulen, es kostet keine Zeit und das Band geht nicht kaputt an der Stelle – alles, was analog natürlich immer ein bisschen ein Problem darstellt.

Fostex B16

Fostex B16

Ich hab einfach für mich entdeckt, dass mir vor allem Musik gefällt, wo Songs auch am Stück durchgespielt werden, weil sie einfach eine Emotion durchs ganze Stück mittragen. Normalerweise  arbeitet man mit vielen Overdubs von irgendwelchen Instrumenten, dann wird das vom Feeling recht schnell steril – es klingt zwar super, aber es verliert an Emotion, weil es einfach zu viel ist. Das war der Grund für mich zu sagen: Hey Jungs, ich hab Bock das erste Album, das wir aufnehmen, analog aufzunehmen – erstens machen wir Rock-Musik, wozu es eh gut passt – wir stehen alle auf ältere Rockmusik, aus den siebziger Jahren – und zweitens finden wir den analogen Schallplattensound am besten.

Recordjob: Musstest Du da Überzeugungsarbeit leisten?

GABSTon: Also der Frank war im ersten Moment etwas skeptisch, als Sänger, weil ihm bewusst wurde, dass er mit der Bandmaschine nicht so viele Takes machen kann wie bei einer Digitalproduktion.

Ich hab den Jungs versucht zu vermitteln, dass man einfach ein bisschen mehr mit Disziplin rangehen muss. Und sie haben es dann beim Einspielen auch selber gemerkt, weil es einfach eine andere Situation ist wie mit dem Rechner – Du musst zurückspulen, wenn Du ein Overdub machst an einer Stelle, wenn Du ein Fehler auskorrigieren willst – dann muss ich das davor schon zweimal oder einmal zurückspulen, um mir die Stelle genau anzuhören, wo ich rein-punche und wider raus-punche. Und der Musiker muss es sich auch bewust anhören und im richtigen Moment natürlich auch richtig parat bei der Sache sein mit seiner Line.

Das fordert einfach alles mehr Disziplin. Man solte seine Licks also schon besser beherschen.

Das Überraschende jedoch war, dass es super funktioniert hat, obwohl es im ersten Moment schwieriger erschien. Und das ist das Erfreuliche an der ganzen Geschichte – das hat mich dann wieder auf den Analog-Trip gebracht, weil ich gemerkt hab, es ist nicht nur der Sound, der mir allein subjektiv, oder persönlich – jetzt bei diesem Genre – gefällt, es ist auch die Bedeutung, die es für die Band bzw. für jeden einzelnen Bandmusiker hat – Es fordert in der Studiosituation einfach mehr. Mit der Erfahrung dieser Aufnahmen wird es das nächste Mal, bei den nächsten Aufnahmen, wenn es wieder analog ans Werk geht, mit einem ganz anderen Herangehen stattfinden – Und so, wie man an eine solche nächste analoge Aufnahme rangeht, würde man nie an eine digitale Aufnahme rangehen, weil du den ganzen Luxus der digitalen Welt genießen kannst.

Recordjob: Das macht sich ja zudem auch für Live bezahlt…

GABSTon: Auf jeden Fall, natürlich.

Analoges Aufnahmeset, Equipment und Methode

GABSTon: Zudem haben wir es auch bei der Aufnahme recht minimal gehalten. Eine Bassspur, ein Mikrofon am Bass, Schlagzeug mikrofoniert, glaub ich mit 8 oder 9 Mikrofonen, ganz klassisch und für die Gitarren gab es jeweils nur zwei Spuren, womit für die Gesänge noch drei Spuren übrig blieben. Und so haben wir das ganze Album durchgezogen – Es gibt keine Stelle, wo man mehr als vier Gitarren gleichzeitig hört. Dadurch hört es sich etwas intiemer und nicht ganz so aufgeblasen an, wie man es heutzutage gewohnt ist.

Recordjob: Habt ihr die Gitarre auch über einen Amp aufgenommen?

Im Proberaum

Im Proberaum

GABSTon: Genau. Der Holger spielt einen Akustik Vollröhrenamp – der hat einen sehr alten dumpfen, stonigen, eher verwaschenen Sound, was sehr gut passt zu solcher Musik, und der Frank spielt einen Fender-Transistor-Verstärker, der den Vollröhren-Sound super gut ergänzt – wenn beide verzerren, hat man eigentlich ein sehr cooles Ding zwischen Vollröhre- und Transistor-Sound. Durch diese Variationsmöglichkeiten kann man den Sound matschiger und oldschool oder spritziger und moderner klingen lassen.

Aufgenommen haben wir über ein altes Mischpult, das ich damals neu hatte – ein „TotalAudioConcept“ aus der serie „Angela Blue“ aus den anfang-achziger Jahren, das einen sehr schönen warmen Sound macht. Sein Vorbesitzer behauptet, dass die Vorverstärker von Rupert Neve“ seien, der zu der Zeit eine Weile für TAC gearbeitet hatte.

Recordjob: Das hast du im Studio bzw. mittlerweile Proberaum stehen? Arbeits-, oder Produktionsbereich ist ja hier, bei dir zuhause.

GABSTon: Genau, das steht dort und darüber werd ich in Zukunft nun grundsätzlich immer die Drums und den Bass laufen lassen. Mittlerweile ist auch ein neues Pult hinzu gekommen, ein Soundworkshop Serie34, von der Firma Otari, das ich restauriert hab und das so Ende der Achtziger rausgekommen sein muss – Das hat dann trotz der oldschool-Schiene einen etwas moderneren Sound.

Recordjob: Und wenn wir schon einmal dabei sind: Wie kommst Du eigentlich an dein ganzes Equipment? Ein Pult hier, dann ein paar Kompressoren da…

GABSTon: Ja, das ist eine gute Frage. Ich bin eigentlich der totale Low-Budget-Typ,  obwohl ich natürlich verhältnismäßig viel Geld in technisches Equipment stecke. Aber die meisten der Geräte waren entweder defekt, gebrauchte Geräte, die ich dann wieder repariert hab, oder auch einmal ein Gerät, gerade dieser Kompressor/Limiter – ein Clone von einem UREI 1176, den hab ich bei eBay ersteigert. Dadurch dass der keinen True-Bypass hat, läuft da bei mir grundsätzlich der Sound durch – selbst im Bypass-Mode wird der Sound immer etwas wärmer, weicher und bassiger.

Abmischen der Platte

Gabston am Mischen

Mit Fingerspitzengefühl bei der Sache...

Recordjob: Noch einmal zu der aktuellen Platte und dem analogen Verfahren: Wie lief das dann beim Mischen ab?

GABSTon: Zunächst – das Abmischen haben wir alles hier gemacht – aufgenommen alles unten im Studio/Proberaum – Mit dem 24 Kanalpult und der 16-Spur-Bandmaschine – Völlig ohne Kompressoren pur aufgenommen. Dann haben wir das Band mit der Bandmaschine zu mir hier nach Hause gebracht und über das etwas modernere Pult abgemischt. Zum Abmischen hab ich mir dann auch Kompressoren von einem Freund ausgeliehen, und zwar so viele, dass ich für alle Kanäle einen verfügbar hatte – zudem Gates und noch ein paar Outboard-Effekte dazu geliehen. Und dann haben wir einen Song pro Tag gemischt. Das Procedere diesbezüglich war so, dass wir immer an einem Abend einen Song gemischt haben – den runtergemischt haben, dann am nächsten Tag angehört haben und noch mal mit ein paar Korrekturen erneut abgemischt haben. Und danach gleich einen neuen Song angefangen haben. Und so haben wir es hinbekommen, das Album in 17 Tagen komplett abzumischen und zu mastern. Zum Anhören gab es den aktuell zu bearbeitenden Song natürlich auf einem USB-Stick zum Anhören mit nach Hause.

Recordjob: Aber damit waren nach dem Endmix des jeweiligen Songs auch die Abmisch-Einstellungen komplett weg?

GABSTon beim Mischen

GABSTon beim Mischen

GABSTon: Genau das ist der Nachteil eben von analog – die Einstellung für einen Song ist mit der Einstellung für den nächsten Song weg. Der Nachteil ist aber zugleich auch von dem Vorteil begleitet, dass man zu Potte kommt. Und beim Abmischen sah dann die Situation so aus: Ich hatte hier einige Kanäle gesplittet, so dass wir verschiedene Kanäle für verschiedene Klangeinstellungen desselben Instruments hatten – von den Gitarren zum Beispiel. Wir hatten nur zwei Gitarren-Spuren, aber zum Mischen hatten wir vier Spuren zur Verfügung. Durch Mute wurden die jeweils nicht gebrauchten Klangkanäle rausgehauen – Gerade z.B. Kompression der Gitarre in Strophe so und im Refrain so. dafür habe ich Mute-Gruppen geschrieben – während das Band lief, hab ich die Mute-gruppen geswitched. Das war meine Tätigkeit beim Abmischen – während ich auf Bass und Schlagzeug geachtet hab. Der Holger hat simultan die Gitarren gemischt und der Frank hat sich meistens um den Gesang gekümmert, um mit Multi-Effekten auch Effekt-Anteile zuzuführen. So standen wir hier zu dritt, oder saßen oder sind gekniet – haben Play gedrückt und dann ging es halt los – und jeder wusste, an der Stelle muss er den Fader so runterziehen, weil die Gitarre zu laut ist, da kommt bisschen Hall auf die Stimme, weil sie dort aufhört, usw.  – Und dann natürlich wieder die Disziplin zu entwickeln alle Fader wieder zurück zu stellen, wenn man wieder zurückspult und das Ganze noch einmal macht. Jeder muss sich also merken: Wo sind die Positionen. Und obwohl sich das jetzt ziemlich kompliziert anhört, ist das coole daran, dass man sich wirklich bewusst macht, das man da jetzt zusammen durch muss. Das war wirklich zum Teil verdammt anstrengend – Gerade wenn man dann auch zu zweit das Ganze machen muss, ist man nach 10 Tagen gedanklich sehr geschafft.

DSC_5162

Das Heimstudio von GABSTon

Das wirklich Gute daran ist aber definitiv, dass man so dem Song auch beim Abmischen noch einmal diese menschliche Note verleiht – dieses Intuitive und die Frage: Wie empfinde ich das gerade in diesem Moment – Wobei dann teilweise auch die Tageszeit bzw. die subjektive Konstitution über das Abmisch-Verhalten mitentscheidet – mittags misch ich die Gitarren ganz anders als morgens oder abends… – Und ich finde, das hört man am Ergebnis, weil es einfach lebendig klingt. Die positive Erfahrung ist natürlich auch, dass, obwohl der Sound ungewohnt klingt, das Album echt gut angenommen wird. Auch wenn wir teilweise, bedingt durch eben diesen Abmisch-Prozess, ein klein wenig gemurkst  und wieder hingebogen haben – wie ich es gerade beim Mastern etwas mit der Röhren-Sättigung übertrieben habe – wodurch jetzt zum Beispiel zum Teil etwas mehr Verzerrungen vorhanden sind, die nicht wirklich hörbar sind, aber dem Klang eben etwas mehr an Soundnote verleihen.

Recordjob: Und, um es vielleicht auch einmal über die Ebene als Drummer zu betrachten – wie ist es beim Mischen des Schlagzeugs? Analog oder digital?

GABSTon: Fakt ist – analog bekomm ich die Snare und Bassdrum einfach besser hin – digital tu ich mir immer schwer. Das stellt für mich als Drummer, bzw. als Drummer der sein eigenes Schlagzeug auch abmischt, immer das Problem dar – wenn ich auf digitaler Ebene bei einer Bassdrum im Filter herum probiere, komm ich nicht so schnell oder gar nicht zu dem Ergebnis, wie es mir gefällt – was analog teilweise ziemlich schnell geht. Ich erklär mir das so, dass das eben meinen persönlichen Geschmack trifft – der analoge Sound eben.

Recordjob: Ist es nicht auch das Rumschrauben an Drehreglern im Gegensatz zum Maus-hantieren am Plugin?

Bandmaschine bei Nacht

Bandmaschine bei Nacht

GABSTon: Das ist sicher auch ein wichtiges Argument – analog ist das supergeil, interaktiv. Du lässt nicht den Track laufen im Computer und der Hall liegt einfach drauf, sondern du fängst an mit dem Send-Effekt den Hall an gewissen Stellen hochzuschieben, weil Du da Zeit hast und die anderen Fader nicht bewegen musst. Und dann machst du an einer Stelle mal ein Delay rein. Digital geht das nur, wenn man sich auch mit Shortcuts und Automation gut auskennt, und selbst dann macht es nicht so viel Spaß, wie wenn man es einfach intuitiv mit dem Finger bewegt – In dem Moment wo du denkst, der Bass ist an der Stelle zu bassig, gehst du an der Stelle ans Mischpult und ziehst den Bass etwas raus. Und zudem – und jetzt kommt’s – du brauchst zum Abmischen kein Bildschirm. Da leuchtet kein viereckiges Ding vor dir, durch das man auch visuell angesprochen bzw. abgelenkt wird – Du hörst mehr hin – Du schaust dir nicht die Spuren an. Darum gibt es ja auch von vielen die Empfehlung, beim Mischen den Bildschirm auszumachen oder wegzuschauen. Damit man bewusster hört. Analog gemischt siehst du nur die Pegelanzeige an der Bandmaschine.

GABSTons Arbeitsplatz

GABSTons Arbeitsplatz

Zudem es ja digital immer noch bei der Verrechnung von Spuren Probleme gibt – es wird in den meisten großen, mir bekannten Studios, auch wenn digital produziert wird, über eine analoges Mischpult abgemischt. Die Summierung findet also zumeist noch analog statt. Auch wenn mit Plugins und Filter digital gearbeitet wurde, wird trotzdem jeder Kanal noch einmal auf das Pult geschickt. Aus diesem Grund hat auch ein Hersteller ein Gerät heraus gebracht, das nichts anderes macht, als analog zu summieren. Da geht man aus der Soundkarte raus, in das Gerät rein und die Kanäle sind analog verbunden – man kann glaub ich nicht einmal die Lautstärke regeln – und das alles vor dem Hintergrund, dass das eben digital noch nicht so funktioniert, dass es sich nicht so schön anhört, wie eben analog – diese Vermischung von diesen Spuren. Und ich hab genau auch das von vielen Leuten gehört: Umso mehr Spuren, desto komischer wird auch das Stereo-Bild – und  die Tiefe wird matschiger und undefinierter.

Ebenso zum Reinhören – Track 4 der “pilot”-Platte – “lies”:

[audio:http://www.recordjob.de/wp-content/uploads/2009/08/4_lies.mp3]

Das Mastern, der Gesang & das Release

"Ein Geräte-Querschnitt"

"Ein Geräte-Querschnitt"

Recordjob: Und wie ist das denn mit dem Mastern abgelaufen?

GABSTon: Wir haben die Songs von der 16-Spur-Maschine immer direkt auf die 2-Spur-Maschine runtergemischt, wobei wir dann meistens 2-3 Versionen dort vorliegen hatten. Danach haben wir uns entschieden, welches von den Takes wir nehmen wollen. Und dann hab ich das Ganze durch den Equalizer, den Kompressor-Clone gejagt, und ganz zum Schluss durch den Finalizer-Express. Und natürlich durch die Behringer-Röhrenvorstufe Tube-Ultragain ganz zu Beginn, sonst in der genannten Reihenfolge.

Recordjob: Und wie habt ihr es mit der Gesangsaufnahme gehandhabt?

GABSTon: Das haben wir über mein damals neu erstandenes Brauner Phantom gemacht – direkt ins alte Pult, das TAC, rein und auf die Bandmaschine. Wobei 1-2 Songs auch über das SM58 eingesungen worden sein müssen, fällt mir gerade ein. Wir haben da viel rumprobiert, auch mit Kopfhörer, bis das dann wirklich für den Frank gut funktioniert hat.

Recordjob: Und wie ist dein Resümee nach dieser Art der Aufnahme und Produktion, an welcher Stelle würdest du das anders angehen?

GABSTon: Da gibt es vielleicht wirklich vor allem kleinere Geschichten, gerade beim Abmischen, die man das nächste  Mal anders machen bzw. angehen wird, aber sonst muss ich wirklich sagen, dass es so genau mein und unser Ding war bzw. geworden ist. Man muss dazu sagen, dass wir uns darüber einig waren, dass es genug Bands gibt, die eine gute Platte haben und live so verdammt schlecht sind. Da war uns klar, dass wir uns dazu zwingen wollen, das auch Live einzuspielen, um uns auch zu üben und das live auch auf dem Auftritt gut rüber zu bringen.

Recordjob: Und ihr seid nun bei Maria-Records?

GABSTon: Genau. Das ist ein sehr junges Label aus Stuttgart, das vor anderthalb Jahren von Freunden von mir gegründet wurde. Die haben als eine Band Submarien aufgenommen, eine progressiv-Rockband aus Stuttgart und wir sind dann als zweite Band aufgenommen worden. Die haben uns jetzt auch die Tour gebookt, die eigentlich klein ist – mit lokalen Vorbands.

Recordjob: Die CD von Monocarspeaker namens “pilot“ ist also im freien Handel erhältlich. Inwiefern verfolgt ihr damit einen kommerziellen Erfolg?

GABSTon: Seit 10. Juli ist die im Handel erhältlich. Also in allen Stores und iTunes. Wir wünschen uns natürlich, dass da CDs gekauft werden, aber wir sind da auch sehr realistisch und bescheiden…

Recordjob: Und mit deinen 2 neuen Bandmaschinen geht es dann gleich an die nächste Platte?

GABSTon: Ja, auf jeden Fall haben wir das so vor. Mit diesen beiden Fostex G24S haben wir dann auch die Möglichkeit, noch etwas mehr zu mikrofonieren, um so, neben den ganzen Verbesserungs-Ideen für die nächsten Aufnahme-Sessions und den Willen, das musikalisch-technisch noch disziplinierter anzugehen, das Ganze nächstes Mal noch professioneller zu machen.

Im Proberaum

Im Proberaum

Zur myspace – Seite von monoCARSPEAKER


VEGA – digitale Ausrichtung

Recordjob: Bands abzumischen, wie Du es früher oft gemacht hast, ist dann nebenher nicht mehr drin… Aber du hast ja noch auch ein anderes Projekt neben Monocarspeaker am Laufen…

GABSTon: Stimmt. Daneben gibt es noch VegA – Womit ich dann auch das Spektrum meiner Musikneigungen gut abgedeckt habe – das eine eher elektronisch und loop-basiert, auch wenn wir es live spielen können. Und das andere eben Rock, improvisiert. Und ansonsten betreu ich noch ein paar Bands als Live-Mischer – gerade Submarien, aber auch verschiedene Aufträge von Freunden aus Stuttgart.

Recordjob: Und von VegA ist auch eine CD draußen?

GABSTon: Genau. Eigentlich war es auch so, dass ich mit VegA meine erste CD gemacht hab. Also das erste, von mir als solches anerkannte, fertige Musikprodukt. Die Songs auf dieser Platte stammen aus dem Zeitraum von 2002 bis 2008, wo wir dann die CD fertig stellten. Das Album ist komplett digital entstanden – 2002 haben Verena und ich dazu den ersten Song geschrieben: Verena mit ihrem Rechner, Mikrofon, Gesang aufgenommen, Klavier, bisschen Synth-Geschichten – Ich hab dann bei mir das Schlagzeug aufgenommen, Loops bearbeitet, Bass eingespielt und so haben wir uns die Stücke solange hin und her geworfen, bis sie fertig waren – und dann hab ich mich zum Schluss einmal hingesetzt und alle Songs überflogen. Wir haben diese Album mit vielen Freunden fertig gestellt, es gibt also sehr viele Gastmusiker – Michael Deak, der Mono-Joh, der Frank Simper, Carsten Netz und viele andere– haben uns Gitarren, Bässe, Blasinstrumente eingespielt und uns auch inspiriert. Ist eigentlich ein sehr intimes Album.

Recordjob: Wo ist die Scheibe zu kaufen?

GABSTon: Unter www.Vega-Musik.de bestellbar. Ist nicht offiziell im Handel.

Recordjob: Und auf welcher Plattform habt ihr dafür gearbeitet?

GABSTon: Da haben wir auf Cubase gearbeitet. Schon auch beim Mischen viel Outboard-Geräte benutzt – den Gesang oft über den Channel One laufen lassen und wieder aufgenommen. Externe Hall-Geräte hab ich zum Teil auch eingesetzt. Aber eigentlich zum Großteil über Cubase.

Recordjob: Bei monocarspeaker sind die Stimmen auch durch den Channel One gelaufen?

GABSTon: Genau, beim Abmischen sind die meisten Stimmen über den Channel One, oder den UREI-Clone 1176. Also Vorverstärker vom Mischpult, dann Kompressor und Equalizer und zuletzt Effekte über Send-Effekte.

Recordjob: Gut dann danken wir Dir für das Interview.

GABSTon: Ich danke auch.

Anbei auch noch eine kleine Bildergalerie:

[audio:name_of_mp3_file.mp3]

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