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Interview mit Tom Jansen – Hi-End Gear 2009

October 26, 2009 Home, Artikel, Interviews Kein Kommentar

Thomas Jansen im Gespräch

Thomas Jansen

Mit Tom Jansen, dem Veranstalter der Hi-End Gear, der das Event nun zum zweiten Mal ausrichtete, sprachen wir darüber, wie es zur Messe kam, was die Leitidee dahinter ist und war, wie es zu der Auswahl an Ausstellern kam und warum welche Workshops angeboten wurden. Das Interview wurde dabei mehr und mehr auch zu einem Gespräch über das Thema, mit dem sich auch die Podiums-Diskussion am zweiten Tag der Messe beschäftigte: die Frage, wie sich der heutige Engineer und / oder Studiobetreiber aufstellen muss, um seine Brötchen verdienen zu können. Der Theorie, dass ein funktionierendes Netzwerk an Branchen-Kontakten und die Zusammenarbeit gerade auch mit (potentiellen) Konkurrenten dazu beitragen kann, unternehmerisch auf solidem Grund zu stehen und (!) der eigenen Vision / Passion treu zu bleiben, gibt Tom Jansen eine lebendige Gestalt: Zum einen beruht die Konzeptionierung und Realisierung der Messe auf dem Fundament eines breiten Branchen-Netzwerkes bzw. der Interaktion damit, zum anderen standen auf der Messe z.T. Aussteller nebeneinander, welche die gleiche Nachfrage bedienen – gerade letzteres funktioniert bestens, wenn die Angst um Konkurrenz weicht, um dem Glauben an bzw. dem Bemühen um Synergien Raum zu geben. Übertragen auf den tontechnischen Beruf ließ sich dieses Konzept und dieser Erfahrungswert im Gespräch insofern ummünzen, als dass für einen erfolgreichen Betrieb die Offenheit gegenüber der Nachfrage, dem Kundenanliegen, und die Kontaktpflege innerhalb der Szene, insbesondere auch zu den unmittelbaren / lokalen „Konkurrenten“, wichtige Faktoren bilden. Das und natürlich noch mehr, hier im Interview…

Der Kampnagel in Hamburg

Vor dem Kampnagel in Hamburg galt es kurz durchatmen, bevor es drinnen wieder zum Tech Talk, Workshop und Gear Testing ging...

recordjob: Zunächst zu deinem Background: Wie kommst Du dazu, so etwas wie die Hi-End Gear auszurichten?

Tom: Ursprünglich bin ich Architekt. Ich hab danach auch meinen Ingenieur gemacht, um dann direkt nach dem Studium festzustellen, dass ich doch in die Musikbranche wechseln will, weil ich, seit ich 15 Jahre alt bin, Platten mache und auch immer ein Studio gehabt und mich für die Tontechnik interessiert habe. Dann hab ich also angefangen mich als Raum-Akustiker weiterzubilden und hab  dann 3-4 Jahre vermehrt Studios gebaut, geplant – eben Raumakustik gemacht. Währendessen hab ich jedoch auch überlegt, wo ich neben dem Studiobau und Plattenproduzieren noch meine Finger drin haben möchte.

Der Kampnagel in Hamburg - Heim der Hi End Gear 2009

Kampnagel, Hamburg - Heim der Hi End Gear 2009

Und dann kam nach oder bei irgendeiner Messe von Leuten die Idee auf, dass man mal eine Messe haben sollte, die wirklich für und auf die Leute zugeschnitten ist, die sich explizit für die Musikproduktion interessieren. Weil die meisten anderen großen Messen Postproduktion- und Broadcast-lastiger sind, oder von irgendwelchen Verbänden, Vereinen, etc. d.h. Interessengruppen ausgerichtet werden. Letztendlich fehlte also eine Messe für die etwas unabhängigeren Leute oder für die ganzen Nerds, die sich neben dem Studiobetrieb für hochwertigere Geräte interessieren oder mit custom-made, d.h. handgefertigten, Sachen liebäugeln – und sich in diesem Bereich auch upgraden wollen. Zudem gab es keinen Ort, wo sich genau diese Leute hätten treffen können – Jeder kennt zwar die Hälfte, hat aber unter Umständen die Leute noch nicht getroffen, kennt das Gesicht dazu nicht – es gab also weder einen Treffpunkt noch eine Messeveranstaltung für diese Leute. Hinzu kommt, dass bei den großen Messen die kleinen Hersteller keine Chance haben, neben den großen zu bestehen. Der Grundgedanke war darum auch, die Gleichberechtigung zwischen den Ausstellern hoch zu halten – Auch wenn ich allein, oder wir zu zweit sind, und nur ein Produkt haben, das von Hand gefertigt wird und dann natürlich 5000 € kosten muss, weil es eben nur 20 Stück im Jahr gibt – dann muss das auch anders präsentiert werden. Damit dieser Stand neben den ganzen anderen Ständen auch bestehen kann und seinen Zweck genauso leisten kann.

Hi End Gear

Vertrautes Bild - Die Geräte als Anlass zur Diskussion

So kam es, dass wir beschlossen haben: Wir schaffen die großen Messestände und den Messebau ab und verzichten im Prinzip auf das Ganze drumherum:  Auf den Standbau, die Werbefläche, auf das übliche Sales-Bla, das jeder kennt – was auch im Internet nachlesbar ist, was einfach jeder Händler leisten kann. Der Gedanke dahinter ist sicher auch, dass die Leute, die sich für diese Geräte hier interessieren, meist das Grundkonzept bereits verstanden haben, die Specs und die Details kennen – Die wissen alles, was im Internet darüber steht und wollen nun mit jemanden auf der Messe reden, der das Gerät entweder entwickelt hat, oder wirklich in die Tiefe gehen kann.

recordjob: Schön. Du sagst immer: Wir, oder Uns, gibt es da noch jemanden anderen außer Dir, der für die Hi-End Gear verantwortlich ist?

Tom: So gesehen : Nein. Ich bin der, der das Ganze plant und veranstaltet. Es gibt jedoch auch noch Stefan Heger, der unter anderem Dangerous Music macht und jetzt Mastering Works in Köln betreibt. Den würde ich dafür verantwortlich zeichnen, die Initialzündung gegeben zu haben – mit dem habe ich mich von Anfang an besprochen. Problem bei ihm ist, dass er halt keine Zeit dafür hat. Zudem macht es aber eben auch kein Sinn, wenn dieses Konzept irgendeine Firma, oder Zeitschrift veranstaltet.

Das muss jemand sein, der unternehmerisch gesehen ein weißes Blatt in der Branche darstellt. Andererseits gehören ein Viertel bis ein Drittel der Aussteller zu den Leuten, mit denen ich sowieso im engeren Kontakt bin. Dadurch ergibt sich kein kleines Team, das den anderen etwas Fertiges präsentiert. Ich frag einfach meine Aussteller, wie wollt ihr ausstellen? Ich muss natürlich dann noch überlegen, was wollen die Besucher – wobei ich mich da einfach selber als Maßstab nehme – welche Workshops interessieren mich, welche Leute bewundere ich, wenn will ich da sehen. Auch in Punkto Geräte, ich hab alle Hersteller, von denen ich Geräte besitze und von denen ich irgendwann ein Gerät besitzen will, angeschrieben und letztendlich sind dann noch 5 bis 6 dazu gekommen.

recordjob: Die erste Hi End Gear war ja 2007 in Köln….

Tom: Richtig, und da hatten wir so 20 Aussteller und 300 Besucher. Jetzt haben wir knapp 30 Aussteller und teilweise auch Hersteller in Form von Vertrieben hier, die dann mehrere Marken zeigen, wo das dann alles unter einem Dach aufgeführt ist – wo aber von Anfang an die Ansage war, wenn ihr 4 oder 5 Marken zeigt – holt mir die Leute ran, die was dazu sagen können.

recordjob: Kleiner Schwenker: Das Logo orientiert sich an dem neusten Rupert Neve Pult?

Ehrengast auf der Hi End Gear - Das 5088 von Rupert Neve Designs

Ehrengast auf der Hi End Gear - Das 5088 von Rupert Neve Designs

Tom: Ja, genau – Gut gemerkt. Das war wirklich ein Zufall, dass die wirklich ein 5088 mitgebracht haben – wobei ich dann gesagt hab, dann stellts auch an den Eingang. Lustigerweise stand das auf der ersten Hi-End Gear auch schon – da war es gerade rausgekommen und sie habens dort quasi gelauncht – das erste Serienmodell und zum ersten Mal in Europa zu sehen. Ich muss dazu sagen, dass ich ein großer Fan davon bin. Klar sind diese Dinger schweineteuer, aber es ist klanglich einfach in der Liga, wo ganz viele große Pulte, die Standard sind, gar nicht mitkommen.

recordjob: Wie kamst du dazu, die Leute für die Workshops zu bekommen. Massenburg z.B.? Wie hat sich das ergeben?

Tom: Da ist viel über Kontakt geschehen. Letzendlich ist die Welt in diesem Bereich auch klein – denn die Leute, die Besucher, die hierher kommen, interessiert nur, wenn ein Workshop von jemandem abgehalten wird, der um Längen besser ist als sie – wo man wirklich was lernen kann.

Georg Massenburg Workshop

Georg Massenburg Workshop

Die Leute auf dem Niveau wie Massenburg sind selbst auch äußerst unproblematisch, wobei hinzu kommt, dass ich für die Planung 1 Jahr Zeit hatte. Dass Massenburg nun hier ist, da ist auch etwas Glück mit im Spiel gewesen – Ich war selber auf einem Massenburg-Workshop und beim Abendessen konnte ich ihn dann dafür begeistern und dann ist es nur noch eine Termin- und Geldsache. Fab dagegen kenn ich privat und das haben wir dann auch auf diesem Niveau geregelt. Michael Wagener dagegen hatte in den 60er und 70er noch ein Studio in Köln, bevor er dann nach Nashville zog. Der war sofort davon begeistert, weil er dadurch auch mal wieder einen guten Grund hatte, nach Deutschland zu kommen.

recordjob: Okay. Das hört sich von der Planung her alles sehr entspannt an. Wobei man gleich sagen muss, dass auch die Hersteller, wie sie hier anzutreffen sind, wirklich ein wunderbar relaxten Eindruck machen – die  tauschen ihre Gerätschaften untereinander aus und betreiben Tech Talk – das wirkt alles sehr familiär.

Tom: Ja, ich glaube, dass dieser Event für die Aussteller über die Besucher hinaus eine Bereicherung darstellt, z.B. da auch Leute von Vertrieben hier sind – wenn jemand einen neuen Vertrieb sucht, können hier dafür Kontakte geknüpft werden. Aber auch die Hersteller untereinander – ich habe jetzt gerade erst wieder ein einstündiges Gespräch mitbekommen zwischen zwei Entwicklern, die jeweils ein 4 ½ T € EQ bauen, und zwar darüber, wer von den drei Herstellern, die in Deutschland Platinen bauen, diese gut bauen können, welche davon welche Probleme mit sich bringen und warum. So was bringt die Leute und die Geräte weiter. Das schafft wirklich erst so ein Event wie dieser. Die würden sich unter Umständen auch nicht anrufen und so was fragen – wenn die aber hier zwei Tage einander auf der Pelle hocken, dann werden solche Diskussionen einfach geführt.

recordjob: Wie kamst Du bei den Ausstellern jetzt einmal ganz speziell auf Digidesign – die sind ja schon so eine Art Platzhirsch in diesem Bereich? Die waren ja, soweit ich weiß, beim ersten Mal nicht dabei?

Tom: Richtig. Die waren beim ersten Mal nicht dabei. Das war aber eine Zeitsache. Die hatten aber auch damals schon mitgeholfen und Kontakt zu einem hergestellt, der für die Workshop-Ecke ein riesen ProTools angeschleppt hat: Die „Konkurrenz“, SSL, hatte die kleine AWS900 in der Workshop-Ecke stehen, und brauchten dafür halt ein Setup. Und Digidesign hat dann einfach ein riesen ProTrools-Rack hinstellen lassen.

Digidesigns Geräte-Präsenz Teil 1

Digidesigns HiEndGear-Präsenz Teil 1 - Die Console ICON D-Command ES

Zum einen ist das so, dass ich meinen Ausstellern dadurch sagen kann, dass auf dem Qualitäts- (und Preis)niveau keine Konkurrenz vorhanden ist – die Leute wollen informiert und nicht belehrt oder beworben werden. Wenn der Kunde ein Icon will, werde ich dem nicht ein SSL-Pult verkaufen können. Ich glaube, dass das aber auch mittlerweile angekommen ist, dass es nur miteinander geht. Gerade auch weil die Awareness in dem Hi-End-Bereich größer wird und zudem auch der Kundenkreis. Was letztendlich im Miteinander auch zum Verkauf beiträgt. Nicht, dass sie ein Stand haben und um Teufel komm raus nur ihre eigene Marke hochhalten – sondern dass hier 300 Leute rumrennen, die sich damit beschäftigen, dass es Monitore gibt für 45 T €, oder dass es einen Kompressor gibt für 4 T € – wenn der Kunde sich damit beschäftigt hat, wird er sich das nächste Mal, auch wenn er ein kleineres Gerät sucht, auf einem anderen Level und Niveau danach erkundigen. Ich habe auch keine Probleme mit Geräten, die günstig sind – die Devise ist: so billig wie möglich. Es geht nicht ums Preisschild, sondern um die Qualität – darum, das Bewußtsein dafür zu schaffen.

    Digidesigns HiEndGear-Präsenz Teil 2 - Die VENUE SC48 - Die kleinste VENUE Live-Mischkonsole

Digidesigns HiEndGear-Präsenz Teil 2 - Die VENUE SC48 - Die kleinste VENUE Live-Mischkonsole

Darum freue ich mich auch, Digidesign hier zu haben. Denn zum anderen kann man von ihren Produkten denken, was man will – im Endeffekt ist es eine Plattform, die in USA der absolute Standard ist – und wenn man dann im Massenburg-Workshop sitzt und sieht, was passiert, wenn man den entsprechenden Raum, Musiker und Mikrofone hat – Dass man dann problemlos ein Song in da box mit drei Plugins auf dem ProTools HD2 Rack perfekt mischen kann. Einfach weil das Frontend, der Song, das Arrangment und die Musiker stimmen. Das finde ich ne ganz spannende Sache, denn von dieser Seite zeigt sich dieses Produkt in einem ganz anderen Licht. Es geht also hier nicht um ein riesen Pult – Ich brauche tolle Songs, tolle Musiker, einen geilen Raum und gute Mikros, dann ist das Problem gelöst – Denn das ist meist die Quelle einer schlechten Aufnahme, und nicht das große Pult und die 6 Racks mit Outboard, die fehlen.

recordjob: Wie ist es jetzt für Dich, hier rumzulaufen – bist Du viel im Organisationsstress, oder kannst Du es auch genießen?

Tom: Ja, leider habe ich am wenigsten Zeit dazu, hier rumzurennen.

Direkter Kontakt mit Persönlichkeiten wie hier mit Dirk Brauner von Brauner Microphones - kein Problem

Direkter Kontakt in entspannter Atmosphäre - hier mit Dirk Brauner von Brauner Microphones

Aber ich wollte ja auch die Messe machen, auf der ich gerne als Kunde wär – als Produzent und User – Das war die Grundidee, darum geht’s die Tage. Darum kann ichs leider nicht wirklich genießen. Aber dafür gibt’s tolle Sachen hier, die ich hier kurz antesten kann und die ich dann – und das ist generell auch der Grundkonsens auf dem Level von Gear – zuhause in der Studioumgebung ausprobieren möchte, denn das kann und will eine Messe nicht leisten. Allein dort, wo ich es auch einsetzen will, bringts mich in meiner Arbeitsweise weiter – vielleicht merk ich dann auch, dass ich die 5 T € lieber in den Umzug in die neue Wohnung stecke, wo einfach der Raum besser klingt, oder anderes.

recordjob: Gibt’s auch irgendein Hersteller, der Dir hier fehlt?

Tom: Wenn ich so überlege, auf jedenfall Thomas Barefoot, der ja eine kleine Revolution auf dem Lautsprecher-Markt losgetreten hat – gerade was die obere Mittelklasse betrifft. Mit den MicroMain 27, was halt ein Fullrange-System ist, in einem sehr kompakten kleinen Gehäuse – zwischen 6 ½ und  7 T € das Pärchen – und das ist halt wirklich ein Fullrange-Speaker, der klingt sogar in vielen kleinen und problematischen Räumen sehr gut. Und hat dann auch in den USA ganz viele Standards abgelöst.

Barefoot MicroMain 27

Barefoot MicroMain 27

Einfach weil es auf gearslutz (www.gearslutz.com) gehyped wurde und sich den ganz viele Leute zum Austesten bestellt haben – um dann festzustellen, dass wirklich jedes Wort stimmt. Ich hab zwar jetzt selber noch kein Pärchen, aber hab gerade erst dem dritten Freund aufgeschwätzt, dass er sich eins bestellt, weil es die auch hier noch nicht gibt – es gibt noch kein richtigen Deutschland-Vertrieb dafür. Das muss dann also als Einzelbestellung über den Händler gehen. Aber weil sie jetzt bei Freunden stehen, weiß ich, wo ich hin muß, wenn ich darauf arbeiten will. Also die hätte ich wirklich noch gerne dabei gehabt – wobei das jetzt glücklicherweise auch mit Grimm Audio noch geklappt hat. Die haben auch tolle Lautsprecher. Die haben wir im Listening Room stehen.

Der LS1 von Grimm Audio

Der LS1 von Grimm Audio

Das ist letztendlich der allererste Serientyp, der da steht – soweit ich weiß. Von denen hatte ich nur ein Prototyp-Pärchen gehört und fand die schon wirklich Klasse. Wenn man dann im Listening Room Grimm, Manger und United-Minorities Ginkos mit Sub zur Verfügung stehen hat – das ist halt wirklich mal nicht die Standard-Abhöre. Ich denke, das spricht allein schon mal für sich – bezüglich der Veranstaltung, dass man Sachen hinstellt, die vielleicht  nicht alle kennen und die Leute mal ein bisschen in Versuchung führt, mal was auszuprobieren, was nicht von der Stange ist.

recordjob: Noch zu einem anderen Thema: Morgen ist ja noch eine Podiumsdiskussion zum Thema Studiobranche in Deutschland?

Tom: Genau. Das basiert auf der Grundüberlegung, das wir bisher überhaupt keine deutschen Produzenten eingeladen hatten. Dann stellt sich jedoch gleich die Frage: Welcher von den deutschen Engineers interessiert alle anderen so brennend, dass sie gebannt dasitzen werden – wobei die ehrliche Antwort wahrscheinlich ist: Niemand – Das aber auch, weil es welche gibt, die niemand auf dem Schirm hat. Zum einen war die Intention für eine Podiumsdiskussion jedoch sicher, dass man Fab und Massenburg bzw. ihre Workshops erstmal verdauen muss. Zum anderen jedoch auch, dass die Studiobetrieber auch wirklich gerade in Deutschland zur Zeit andere Sorgen haben, als technischen oder produktiven Input zu bekommen.

Die Podiumsdiskusion

Die Podiumsdiskussion

Die stellen sich meist die Frage: Kann ich davon irgendwie leben. Und wie mache ich das – Bin ich Freelance-Engineer und halte meine Kosten niedrig, oder hau ich rein, bau ein super Studio und vermiete es. Oder mach ich was ganz anders – geh ich den Broadcast-Bereich, mache ich Hörspiele – da verschiebt sich gerade ganz viel. Also haben wir uns gesagt, das Interessanteste ist darüber zureden, wie die Leute in Deutschland ihr Geld machen. Und dann haben wir uns eben die Leute rausgesucht, bei denen es gut läuft – die ihre Sache gut machen. Die beständig genug Jobs bekommen und zugleich unterschiedliche Konzepte und Wege verfolgen. Also war die Überlegung: Lass uns mal diese Leute auf die Couch setzen und darüber diskutieren, wie sie das gemacht haben, warum sie das machen – was sie von der Krise merken – was sie denken, was 2010 eine gute Möglichkeit ist, sich über Wasser zu halten. Eben wie es von der Business-Seite her aussieht. Und da haben wir halt aus vielen verschiedenen Ecken viele unterschiedliche Lösungsansätze. Guy Steinberg, der ein guter Freund von mir ist, der sich ein wunderbares, altes und fantastisches 53er Neve gekauft hat, was granatenmäßig klingt – Er hat einfach ein unfaßbar tolles Studio, mit einem sehr gut klingenden Aufnahmeraum.

Der Listening Room

Der Listening Room auf der Hi End Gear

Ein Mikro-schrank von Andreas Grosser, wo wirklich alles drin ist, was man haben will. Viele Leute kennen diese Menschen nicht, was mich dann eben verwundert, zudem er mitten in Berlin und ständig ausgebucht ist. Wenn ich also mein nächstes Ding mache, will ich da rein und muss schon jetzt immer schon schauen, wann ich da überhaupt rein komme. Und Guy ist ein Israeli, der in Tel Aviv angefangen hat, lange in England gearbeitet hat, dann aber nach Berlin gegangen ist. Er hat aber immer noch gute Kontakte nach England, zur Jazzszene, nach Skandinavien – aber auch nach Ney York – die Klique um Kurt Rosenwinkel, Hier ist es so, dass die Leute eben extra nach Berlin kommen – zu Guy. Auch wegen dem Studio, auch wegen den Mikros und auch wegen dem Neve, aber die kommen hauptsächlich wegen Guy und seinen Kontakten. Und weil er auch ein toller Engineer und ein toller Produzent ist und schnell gute Ergebnisse hin bekommt – In diesen Kreisen hat er sich also rumgesprochen. In Deutschland dagegen hat man den auch nicht unbedingt auf dem Schirm. Ich kann ganz viele Berliner fragen, die dort ein Tonstudio betreiben, und von ihm noch nichts gehört haben. Wo ich mich am Ende wirklich frage, ob das wahr sein kann. Da kommt wirklich das Thema Kontaktpflege ins Spiel, gerade in der Branche untereinander.

recordjob: Wobei das aktuell ja wirklich in allen Kanälen kommuniziert wird, dass es in der Studiobranche darum geht, sich auszurichten, zu fokussieren und auf jedenfall auf die Marktsituation zu reagieren. Dass man sich entscheiden muss, ob man alles mitmacht – Dumping-Preise fährt, und seinen Passion und Vision aufgibt, mit der alles begonnen hatte und in ein paar Jahren unten ist. Oder, ob man es schafft, irgendwie doch ein gutes Standbein zu setzen.

Tom: Ganz genau das. Wir haben dann noch zur Diskussion den Christian Prommer, der nun schon ewig lang dabei ist und eher aus dem Techno und Elektronik Bereich kommt. Jetzt auch gerade ein wahnsinniges Jazz-Album gemacht hat und damit eben erfolgreich auch andere Wege findet.

Christian Prommer

Christian Prommer

Wieder so ein Beispiel: Er ist schon ganz lange dabei – aber obwohl Techno in der deutschen Szene ein riesen Bereich darstellt, gibt es wenig Berührungspunkte zu den Rockern und zu den Pop Leuten, d.h. zu den gängigen Studios. Und das fand ich wichtig, jemand auch von dieser Seite zu haben. Und noch ein Freund von mir aus Köln – Robert Babicz – der viel mastert. In Sachen Vinyl-Master einfach der Mann. Der ist DJ, fliegt um die Welt und spielt jedes Wochenende in einer anderen Stadt  – Südamerika bis Russland. Da kann man wiederum jemanden sehen, der eine komplett andere Sozalisation, eine komplett andere Weise, sein Business zu machen, hat – klar, der verdient sein Geld hauptsächlich mit Live-spielen. Aber so einer pflegt auch sein Studio anders – der kauft anderes Equipment und rechnet anders. Der arbeitet anders, als jemand, der jetzt in Köln ein großes Tonstudio betreibt. Das sind einfach andere Geschichten. Wobei Elektro in Deutschland ein großen Bereich des Marktes bildet. Das gehört für mich genauso dazu, wie alles andere.

recordjob: Wobei speziell Christian Prommer wirklich ein gutes Beispiel für einen extravaganten Weg ist  – weil er sich gerade eben nicht festlegt. Er kommt aus der elektronische Schiene, aber dass er jetzt ein Jazz-Album produziert hat, zeigt, dass man sich nicht einschränken sollte.

Tom: Rick Rubin, bestes Beispiel, macht ne Metal Platte, ne Hip Hop Platte und wieder ne Metall Platte. Gerade als Engineer habe ich meine geschmacklichen und meine technischen Fähigkeiten, die ich einbringen kann. Privat höre ich auch nur Musik, die ich gut finde – Egal ob neustes Minimal-Album, oder Norah Jones-DVD, oder alte Queens-of-the-Stones-platte. Es geht bei der Arbeit zunächst um die Offenheit und dann um die Qualität des Produkts. Es sagt meines Erachtens viel über die Arbeitsweise als Engineer aus, wie offen man da ist. Man sollte die eigenen Vorlieben abstrahieren können.

recordjob: Wobei man wieder gut die Brücke schlagen kann, zu dem, was du hier mit der Messe veranstaltest – indem du den Leute zeigst, was es neben dem, was sie kennen, noch gibt – sie zusammenbringst. Eben etwas qualitatives vorführts, was nicht von der Stange ist.

Tom: Genau so ist es. Es gibt sicher schweineteure Sachen, die ich gerne hätte, aber die ich nicht brauche. Deshalb muss ich mir nicht das Geld dafür zusammenkratzen – es bringt mich in dem, was ich machen will, einfach nicht weiter. Nur davon lass ich meine Kaufentscheidung lenken. Aber vielleicht habe ich einen Freund, der genau das braucht und ich erzähls ihm weiter. Der kannte es auch nicht und: bamm, haben wir wieder ein verkauftes Gerät. Nur weil es mal jemand gesehen oder gezeigt bekommen hat.

Recordjob: Wenn man das Netzwerk hat. Und keine Angst hat vor dem Miteinander.

Tom: Gerade in diesem Zusammenhang gibt es zwei Leute, die es wirklich von Anfang an kapiert haben und auch so betreiben – da kommen wir wieder zu dem Team – dem „wir“, das wir am Anfang im Gespräch hatten. Ich würde sie beinahe schon dazu zählen: Die beiden Jungs von Elysia und Stefan Bahr von Metric Halo, der jetzt auch den Q-Faktor gebaut hat – seinen eigenen EQ. Die Jungs sind einfach von Anfang an immer dabei gewesen – Ich hab die auch ganz viel gefragt – viel Organisatorisches – wie wollt ihr, wie könnt ihr. Ich habe wirklich während der Planung 2 bis 3 mal bei Elysia angerufen, und hab gefragt, wir haben die und die und die Option – kleine oder große Tische, soll man Inseln bauen, etc.

recordjob-Anmerkung – webplace: www.elysia.de – Im November jetzt auch in Software: das neue mpressor Plugin – dann die bereits bekannte Hi End Hardware: museq, der mpressor und der alpha compressor.

Und letztendlich stehen die jetzt ernsthaft und wirklich in Konkurrenz, weil die beide jetzt jeweils einen 4000 € EQ  gebaut haben. Und die sind die besten Freunde und haben mich schon vor zwei Wochen gefragt, ob sie nicht nebeneinander einen Stand haben können. Ich habe innerhalb der Branche damit meine Leute, die ich ansprechen kann – und genauso Stefan Bahr. Dann hat er den ersten Prototypen wieder fertig und ruft mich nachts um halb zwei an und fragt, ob ich morgen zum Hören komm. Und dann kriegt man es über zweieinhalb Jahre mit, wie so ein EQ gebaut wird und entsteht und warum  alles so ist, wie es ist – und was alles schief läuft. Und warum die Platinen wieder im Schrott landen und was dann wieder alles neu gebaut werden muss.

recordjob-Anmerkung – Stefan Bahr führte den Q-Faktor vor: Einen kreativen Mastering-EQ, der mit einem passiven Filter-Netzwerk ein unglaublich hohen Wirkungsgrad erreicht – Mit einem Boost von ca. 24 dB pro selektierte Frequenz und kaum messbarer Phasenverzerrung. Webplaces: www.q-effekt.de & www.united-minorities.de

Und wie es dann am Ende richtig läuft – Und dann hört man das erste Seriengerät und dann wird einem klar, dass das auf jedenfall mein nächster EQ wird, weil ich das einfach von der Pike auf mitbekommen habe und es einfach 100 % zu schätzen und zu bedienen weiß und nebenbei mich da auch eingebracht habe. Genauso bringen sich die Leute dann aber auch bei der Messe ein. Wobei man sagen muss, dass das natürlich nicht mit jedem Aussteller so sein kann. Aber das ist dann das Level, das es dann wirklich erreichen kann und das ist dann eben nur in so kleinen Kreisen möglich  – wenn ich damit die Hamburger Messe-Halle füllen müsste, dann könnte ich das vergessen.

recordjob: Gut. Dann danken wir für das Gespräch. Und noch weiterhin viel Erfolg.

Tom: Danke. Ebenso.

Einen wunderbaren Eindruck von den Geschehnissen auf der Hi-End Gear geben auch die Bilder wieder, die über die Webseite zur Veranstaltung abgerufen werden können: Hi-End Gear Webseite

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