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Produzenten-Porträt: 13 Fragen an Sebastian Böhnisch von sector3music – Teil 2

April 13, 2010 Home, Interviews Kein Kommentar

Analog oder digital? Und auf welcher Plattform/Sequenzern arbeitest Du am liebsten?

Wie viele unserer Kollegen stehen wir vor dem Problem, dass ein Analogstudio in der Anschaffung und dem Unterhalt recht teuer ist. Da stellt sich zuallererst die Frage: 8-Spur analog oder 256-Spur digital? Darum arbeiten wir in erster Linie digital. Persönlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass ein gesunder Mix aus beiden Elementen am Besten funktioniert: eine digitale Arbeitsumgebung gepaart mit einigen (wenigen) analogen Akzenten. Einer der Vorteile dieser Variante ist für mich ganz klar, dass unsere Studioumgebung immer flexibel und somit ausbaubar sein wird – wir können uns überlegen, welches Teilstück wir für das derzeit vorhandene Geld „analogisieren“ und somit veredeln wollen, ohne dass unsere Arbeitsumgebung auseinander bricht oder unübersichtlich hohe Kosten auf uns zukommen. Außerdem ist die digitale Studioumgebung super pflegeleicht und im Zweifelsfall auch mobil. Im Studio arbeite ich mit Logic 7, mobil mit Logic 8.

Der sector3music Arbeitsplatz

Welche Plug-ins sind im “Alltag“ gut zu gebrauchen und welches nutzt Du am meisten?

Ich benutze für die gesamte Grundmischung die vorhandenen PlugIns von Logic. Die sind durchaus alltagstauglich und arbeiten anständig und neutral. Sobald ich das Signal allerdings mehr charakterisieren möchte, reichen diese nicht mehr aus. Gute Erfahrungen habe ich hier mit den PlugIns von Sonalksis gemacht – der Kompressor arbeitet fett, der EQ überzeugt durch seinen sauberen und musikalischen Eingriff und ein echter Hammer ist der dynamische EQ*, den ich darum auch gerne mal live einsetze. On top kommen für mich die PlugIns von Universal Audio und Waves.

[* der dynamische EQ arbeitet ähnlich wie ein Kompressor (oder Multibandkompressor), allerdings zugeschnitten auf ein Frequenzband, das wie bei einem EQ geregelt werden kann. Während der normale EQ das Signal in der entsprechenden Frequenz einschneidet, greift der dynamische EQ erst dann ein, wenn die entsprechende Frequenz zu laut oder zu leise wird. Ein Beispiel: wir möchten die LeadVocals mit einem EQ de-essen, senken also Frequenzen um die 6,7 khz ab. Diese abgesenkten Frequenzen gehen uns damit für immer verloren – sie sind, auch wenn der Sänger gerade kein „S“ singt, gefiltert und nicht hörbar. Der dynamische EQ hingegen greift bei sensibler Einstellung erst dann in das Signal ein, wenn es notwendig wird – also erst dann, wenn der Sänger ein „S“ singt. Das hat für mich den Vorteil, dass mein Signal nicht eingeschnitten oder begrenzt klingt, sondern immer ausgewogen und natürlich. Der dynamische EQ arbeitet nicht hart wie ein Gate, sondern regelt individuell je nach Input der Frequenz.]

RJ: Der Kompressor und der EQ aus den Essentials von Sonalksis:

Welche Hardware / Outboard-Geräte benutzt Du zum Arbeiten am liebsten & warum?

Wenn möglich ziehe ich folgendes Outboard dem digitalen Equipment vor:

Universal Audio – Egal ob Preamp, Channel Strip oder Kompressor/Limiter – Universal Audio bietet ein grosses Spektrum an analoger Qualität auf höchstem Niveau. Das Outboard von Universal Audio setzen wir sowohl bei der Aufnahme als auch im späteren Mix ein.

Roland SpaceEcho RE-201, denn ein besseres Delay ist auf dem Markt kaum zu finden. Relativ erschwinglich (gebraucht um die 400,00 EUR), allerdings auch pflegebedürftig (Tonköpfe einstellen, etc.)

RJ: Ein guter, einführender Artikel zum Space Echo findet sich auf der englischsprachigen wikipedia-Seite (hier), von der auch die folgenden Bilder stammen:

ADT-Audio ToolMod-Serie – Inzwischen hatte ich schon bei zwei meiner Mischungen das Vergnügen das hochkarätige Equipment der deutschen Audiomanufaktur ADT-Audio einsetzen zu dürfen. Das Outboard wird in Handarbeit gefertigt und nicht im üblichen 19“-Format sondern in Kassettenform (ähnlich Danner) auf den Markt gebracht. Die einzelnen Elemente sind verhältnismäßig günstig und so robust gebaut, dass man sie auch mit auf Tour nehmen kann. Zum Klang und den Funktionen kann ich nur sagen: allererste Sahne – ein wundervoll klarer, brillanter und offener Sound, Kompressoren die wirklich das Letzte aus dem Signal herausholen und jedes Gerät so durchdacht, dass das Arbeiten eine wahre Freude ist.

RJ: Dazu zwei Bilder, die verschiedene Rack-Formate der ToolMod-Serie zeigen – Channelstrip und 4HE Rahmen:

Deine Standard-Methode, einen Beat zu programmieren und/oder ein Drum abzunehmen?

Beat:
Obwohl wir keine Experten im Bereich Beatprogramming sind, haben wir in der Regel ein Bild vor Augen, wie sich der Beat in die Produktion einfügen soll. Dementsprechend beginnen wir mit dem tragenden Instrument des Beats, meist mit der Base. Danach kommt die Snare. Wenn dann der passende Einfall zu HiHat oder Percussion fehlt, arbeiten wir eventuell eine zweite, tieffrequente Basedrum ein, die den Beat auflöst. Danach finden sich HiHat und Becken oder Percussion leichter. Wenn das Grundgerüst dann steht, beginnen wir die Samples zu „analogisieren“ – eine Basedrum wird rausgeholt und eingeklopft oder eingespielt. Und dann versuchen wir auch andere Elemente durch „echte Instrumente“ zu ersetzen oder zu bereichern. Meistens ist der Beat dann fertig für den Mix und die Produktion.

Drums abnehmen:

Als Overheads verwende ich zwei Rode NT2-A Großmembranmikrofone. Unser Raum klingt recht groß, ich entscheide mich also die Mikrofone in Nierencharakteristik und nicht als Kugeln zu verwenden. Weil ich später einen sehr offenen Drumsound mischen will (keine Gates, kaum EQing, etc.), verzichte ich auf den Lowcut bei 80 Hz. Die Mikrofone justiere ich so hoch wie möglich auf ca. 2,40m. Zusätzlich montiere ich 1 Sennheiser e-614 als Stützmikrofon am Ridebecken.

Die Basedrum nehme ich mit dem AKG D112 ab. Besteht jedoch die Möglichkeit, benutze ich für diesen Job ein Sennheiser MD-421. Das MD-421 klingt von Hause aus einfach mehr in die Richtung, die ich später mischen will. Das Mikrofon positioniere ich zwischen 10cm bis 40cm vor dem Schallloch, bzw. tief in der Basedrum. Als zusätzliches Mikrofon verwende ich ein Shure Beta 91 (Grenzfläche) – sie bringt mir im Mix später den „Bauch“ der Base.

Die Snaredrum wird wie üblich von oben und unten mit einem SM57 mikrofoniert. Da ich immer dachte: „das kann doch nicht alles gewesen sein“ habe ich gute zwei Jahre lang die verschiedensten Mikrofone und Positionen durchprobiert (Kleinmembran, Großmembran, Bändchen und diverse dynamische Mikrofone) um dann, u.a. durch die Hilfe eines Kollegen, doch wieder beim SM57 zu landen. Es ist wirklich unglaublich, was man in der Mischung aus diesen Mikrofonen herausholen kann.

Normalerweise nehme ich für die Mikrofonierung der Toms dynamische Mikrofone. Meist einen Mikrofontyp wie das dafür gemachte Sennheiser e-604, am liebsten auch hier wieder das gute alte Sennheiser MD-421.

Die HiHat mikrofoniere ich am liebsten mit einem Großmembran wie dem Neumann TLM103. Es lässt die HiHat auch ohne Einsatz eines EQs sehr weich und dennoch deutlich und brillant klingen, was unter anderem mit dem angehobenen Frequenzverlauf ab 5khz zu tun hat. Bei diesem Mikrofon lassen sich Übersprechungen durch die Snare kaum vermeiden, was ich in der späteren Mischung persönlich aber als Vorteil empfinde.

Wenn die Grundmikrofonierung abgeschlossen ist, beginne ich zusätzliche Stützmikrofone zu stellen. Als Raummikrofon 1 benutze ich ein RFT Gefell UM 70. Dieses Mikrofon positioniere ich so weit wie möglich (rund 4m) vom Drumset entfernt. Das UM70 ist auf Kugelcharakteristik geschaltet und in einem Reflexionfilter montiert. Ohne klingt die Kugel bei mir meist zu hart, da die Reflektionen des Schlagzeugs „ungeordnet“ von den zu nahen Wänden zurückkommen und mit unterschiedlichen Laufzeiten auf das Mikrofon treffen. Ist dieses erschwingliche Tool montiert, fangen sich die Reflektionen und treffen zeitgleich und gebündelt auf das Mikrofon – ein sauberer Raum entsteht. Um in der späteren Mischung flexibler zu sein, platziere ich das Raummikrofon 2, meist ein SE Elektronics Z 5600A. Dieses Mikrofon steht 1m bis 3m vom Drumset entfernt frei im Raum und ist als breite Niere oder als Kugel geschaltet. Um den Raumsound so trashig wie möglich zu bekommen, verstärke ich das Signal von Raummikrofon 1 schon während der Aufnahme mit dem Universal Audio LA-610 bis in eine leichte Röhrenzerrung und komprimiere es anschließend mit guten 3:1 bis 8:1.

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