Das Duell der Klangwelten – Analog vs. Digital
“Back to Analog“ oder alte Schule bleibt Neu
“Back to Analog“ bzw. der gleichbleibend analoge Kurs einiger Hersteller in der Produkt-Entwicklung und Produkt-Strategie im Musikproduktions- und Recording-Bereich hat viele Gesichter und Gründe.
Zunächst gibt es triviale Fälle, wo der rein analoge Aufbau von Equipment über die Anwendungssituation erzwungen wird, und alles außer digitalen Schnittstellen als übertrieben und unnötig erscheint, wie im Falle von Tascams (link Hersteller) Neuerscheinungen dieses Jahr, zum einen die Mischpulte der M-Serie, die vor allem der Proberaum-Band-Situation geschuldet sind.
Bild M-Serie
oder, und das ist ebenso stark der Anwendung zu schulden, das Kassettendeck 202MKV
Bild Kassettendeck
„Es gibt viele Leute, jetzt weniger in Deutschland, sondern auch im Osteuropäischen und im nahen Osten, wo die Kassette noch weiter verbreitet ist…“ Dirk Born, technischer Marketingmanager von Tascam (link Interview)
Dann naheliegende Kontexte wie im Fall der Vintage-Restauration. Als Beispiel hierfür sei exemplarisch Vintage Tools (link Hersteller) genannt, wo die Qualität alter Kassetten-Module aus alten Rundfunk-Ü-Wagen in die Neuzeit gerettet und damit (eben gerade nicht) alte Radiotechnik durch geschickten Umbau erneut für die Signalbearbeitung in den Studios zurückgewinnen wird.
„Die Qualität ist dementsprechend heute noch hoch, weil die Analogtechnik sich ja in dem Sinn nicht weiter entwickelt hat, wie auf der anderen Seite die Digitaltechnik.“ (Oliver Nauck von Vintage Tools) (link Interview)
Womit sich aber auch schon die nächsten Fälle des analogen Trends vorgezeichnet finden. Denn selbst, wenn die Analogtechnik sich nicht in dem Sinne „weiterentwickelt“ hat wie die Digitaltechnik, so gibt es dennoch natürlich noch „Frontforschung und -Entwicklung“. Und das nicht nur im Recording-Bereich und bei Mikrofonherstellern wie z.B. Schoeps, die nun eine Kapsel mit einer neuen Richtcharakteristik auf den Markt bringen (Offene Niere http://www.schoeps.de/PDFs/Schoeps_MK22-A4_med_res.pdf), sondern auch im Signalbearbeitungs-Bereich wie z.B. bei Summit Audio, die mit dem ECS-410 Everest (Hersteller link) gleich zwei innovative analoge Elemente in der Konzeption eines Channelstrips unter ein Dach bringen.
Ist bei dem ECS-Everest zunächst im wahrsten Sinne des Wortes die vordergründige Innovation das Routen der einzelnen enthaltenen, zugleich jedoch unabhängig voneinander betriebenen Geräte-Sektionen (Preamp, EQ, Kompressor, Output-Amp) über eine auf der Geräte-Front eingerichtete Master-Routing-Sektion namens „Touch-Patch“, so ist die Innovation der unabhängig voneinander betriebenen Prozessoren eine Idee, die sehr stark an das Konzept des virtuellen Plugins erinnert. (Siehe auch “analoge Plugins“-Konzept beim Frontliner von SPL (http://www.spl.info/index.php?id=451&L=0) Wobei das Kopieren von Konzepten aus der Digitaltechnik für das analoge Konzept eine recht „harmlosen“ Schritt in der Szenerie öffnet, im Gegensatz zu solchen Fällen, wo digitale Konzepte in analoge Domänen eingedrungen sind.
Digital-Technik ergänzt, erweitert und will verbessern…
Werden digitale Konzepte im Fall von PreSonus StudioLive 16.4.2 Digital Mixer in analoge Bereich dort übernommen, wo sie eine reine Ergänzung bzw. Erweiterung des analogen Produkts darstellen (link Interview), so wollen andere Ansätze wie digital entzerrte Monitore (link KSDigital Interview) oder digitale Mikrofone mehr – Das Eindringen digitaler Technik in analoge Hoheitsgebiete, entweder um analoge Technik zu verbessern oder unter dem Vorwand defizitärer analoger Eigenschaften in technischen Details zu ersetzen, bildet noch einmal einen eigenen Trend. Zugleich benötigen solche Unternehmungen teilweise nicht nur ein Umdenken der Benutzer, sondern auch ein Support anderer Geräte-Kategorien wie digitale Vorverstärker für digitale Mikrofone – Solche Entwicklungen ähneln also gruppendynamische Prozessen, die einfach ihre Zeit einfodern, auch wenn die Vorteile teilweise offensichtlich zu sein scheine – Das Mikrofon wird über die digitale Technologie noch “intelligenter“ und besser steuerbar. Die technische Frage bleibt, ab welcher Stelle im technischen Aufbau das digitale Element bisher analoge Konzept und Aufgaben übernimmt, denn die Membran kann nicht aus Nullen und Einsen bestehen – es wird demnach immer analoge beginnen und steht und fällt darum auch mit der Wandlung(s-Qualität).
Und wenn man schon gerade bei Nullen und Einsen ist – Argument auf der analogen Seite ist natürlich, dass die digitale Welt der Einsen und Nullen nie kongruent zu der facettenreiche Ebene der analogen/wirklichen Welt sein wird. Jedoch muss man hier wieder einmal ganz platt hinzufügen: „Sag niemals nie!“
Trotzdem – In der analogen Welt sind es gerade die eigentlich unnötigen Signalwege, die, indem sie sich auf natürliche Weise gegenseitig beeinflussen, obwohl chaotisch in der Art und Weise am Ende ein beeindruckendes oftmals unvorgesehenes Resultat liefern- Das bleibt in der digitalen Signalführung ganz aussen vor. Womit Herman Gillis neuste Errungenschaft der Restyler ins Spiel kommt (Link Interview) – Ersetzt im DJ-Bereich, wo seit Jahren ein digitaler Trend nicht zu unterschlagen ist, mittlerweile mehr und mehr CD-Mixer und Laptop, z.B. angebunden über digitale Scratch Systeme alla Stanton oder NIs Traktor Scratch, den analogen Plattenspieler und setzt Vinyl maximal als Rohling ein, so bildet der Restyler als DJ- Filter einen gegenläufigen Trend, nämlich einen, in welchem das Signal revitasliert wird und mit analoger Güte aufgerüstet und analoge Anteile hinzugesetzt werden.
Zeichnen sich in dieser kurzen Betrachtung verschiedenste Trends an, die garantiert nicht heute oder morgen ihren finalen Punkt erreichen werden, so wird spätestens ab dem Zeitpunkt, wo Quanten-Computer Rechenprozesse ermöglichen werden, von denen der heutige DSP-Entwickler nur träumen kann, die Welt der Musikproduktion eine neue Dimension bekommen, sodass am Ende dieser Betrachtungen ein Zitat von Herman Gillis stehen kann, dessen Aussage wir uns voll und ganz anschliessen, mit dem Wissen im Hinterkopf, dass der Weg zum Quanten-Computer bereits beschritten wird: (http://www.sciencedaily.com/releases/2009/06/090615152926.htm)
„Ich glaube erst mit Quantum-Prozessoren kann in die Nähe eines analogen Systems gekommen werden. Hier hat es ähnliche Bedingungen, weil eine Elektron immer mehrere Möglichkeiten hat, sich zu bewegen und das sich gegenseitige Beeinflussen da ist. In der analogen Welt gibt es Feedbacks und ein endloses Dynamik-Spektrum, das es zu beherrschen gilt – es jedoch auch interessant macht. In der digitalen Welt geht alles um die Umsetzung dorthin und zurück, um die Auflösung des Materials und die ist immer limitiert.“
Herman Gillis von Sherman (link Interview)
Zum Wochenende hin eine kleine Reflexion über den gleichbleibend aktuellsten Wettbewerb in der Audiotechnik.
Part 1 – Alte Schule bleibt Neu
Der gleichbleibend analoge Kurs einiger Hersteller in der Produkt-Entwicklung und Produkt-Strategie im Musikproduktions- und Recording-Bereich hat viele Gesichter und Gründe.
Zunächst gibt es triviale Fälle, wo der rein analoge Aufbau von Equipment über die Anwendungssituation erzwungen wird, und alles außer digitalen Schnittstellen als übertrieben und unnötig erscheint, wie im Falle von Tascams Neuerscheinungen dieses Jahr – zum einen die Mischpulte der M-Serie, die vor allem der Proberaum-Band-Situation geschuldet sind.

Das M-164 von Tascam
Und zum anderen, und das ist ebenso stark der Anwendung zu schulden, das Kassettendeck 202MKV.

Das neue Kassettendeck 202MKV
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